Die Erscheinung Des Heiligen Geistes


„In einem jeglichen offenbaren sich die Gaben des Geistes zu gemeinem Nutzen."
(Kor. I, 12 : 7)



Es gibt viele Fragen, mit denen sich die Menschheit beschäftigt, Fragen, mit denen sich die Menschheit auch in der Vergangenheit beschäftigt hat; solche Fragen wird es auch in Zukunft geben. Ich gebe euch eine kurze Definition von dem Begriff "Geist": Viele Menschen haben einen sehr dunklen Begriff vom Geist. Sogar im Kopf der Menschen, die reiche Kenntnisse besitzen, bleibt dieser Begriff im Dunkeln. Ihr werdet fragen: „Wie ist es möglich, gebildet zu sein, und dennoch einen dunklen Begriff vom Geist zu haben?" Ich sage: Es ist sehr natürlich. Wenn ihr blind wäret und vor euch ein Gemälde stünde, hättet ihr auch einen dunklen Begriff davon. Es ist also durchaus möglich, daß der Begriff "Geist" auch für den gelehrten Menschen dunkel bleibt. Diese Frage untersuchend müssen wir folgendes in Betracht ziehen: Verfügen wir wirklich über die entsprechenden Gefühle und Fähigkeiten, die es uns erlauben, das Ding an sich zu erkennen? Wir können uns zwar direkt oder indirekt einen Begriff von der Welt und ihren Einrichtungen machen, aber unsere Vorstellungen werden sich sicher in dem einen oder anderen Fall unterscheiden. Ich gebe euch eine kurze Übersetzung von dem Wort "Geist" (in altbulg. Schreibw.: Dúxß, sprich: Duch): Im Bulgarischen hat dieses Wort vier Buchstaben. Wenn wir den Buchstaben "D" nehmen, sehen wir, daß er drei Winkel, und unter dem Buchstaben ein "p" (p) bildet; die drei Winkel zeigen die Dreieinigkeit Gottes, die drei Kräfte, die sich äußern. Der Buchstabe "ú" - die zwei Finger: Zeige- und Mittelfinger, die dabei nach oben gerichtet sind, zeigt, daß die menschliche Hand etwas arbeitet. Der Buchstabe "x", das Kreuz, ist die Erscheinung jener Kraft, die in vier Richtungen wirkt: Die beiden Linien, die eine, die nach oben geht, und die andere, die sie durchkreuzt, symbolisieren die Erscheinung des Menschen, d.h. die zwei Kräfte, die in verschiedene Richtungen führen und sich kreuzen. Wenn wir mit einem Finger nach oben zeigen, zeigen wir auf Gott, und wenn es mit dem Menschen zu einem Zwiespalt kommt, so ist das der andere Balken des Kreuzes. Das bedeutet, daß Der Geist hinuntergeht und sich diesem Widerspruch zwischen Gott und Seinen Kindern annimmt. Der Buchstabe "ß" bedeutet die Ausgewogenheit der menschlichen Vernunft, die dem Menschen die Fähigkeit verleiht, die grundlegenden Gesetze zu verstehen. Diese Deutungen erhalte ich aus den Buchstaben des Wortes selbst. Die andere Erklärung des Geistes ist nun die folgende: Das ist die Erscheinung seines Wesens. Nehmt z.B. das Licht, das von oben nach unten kommt: Das ist Der Heilige Geist. Wir wissen nicht, was die Sonne ist; die Gelehrten sagen, sie sei 92 Milionen Kilometer von der Erde entfernt; mag sein, wir wissen es nicht; es ist aber durchaus möglich, daß es in dieser Berechnung einen Unterschied von einigen Milionen Kilometern gibt. Würden wir es nachprüfen wollen, wäre es fraglich, ob wir die Sonne in diesem Punkt finden, den die Gelehrten bestimmt haben. Und das Innere der Sonne? - Das ist eine tiefe Philosophie! Einige sagen, es sei flüssig, andere glauben, es sei fest. Das eine wie das andere wird schon richtig sein. Aber vom Licht, das auf uns niederstrahlt, haben wir schon eine genauere Vorstellung, weil wir sehen, was von der Sonne zu uns hinuntergeht und für unsere Augen die ganze Erde mit all ihren Gegenständen und Wesen offenbart. Das Licht ist der Heilige Geist, der aus der Sonne heraus zu uns hinunterkommt und in einer direkten Beziehung zu unserem Leben steht. Der Heilige Geist gleicht den Sonnenstrahlen. Gott kann auf keine andere Weise zu uns herabkommen, weil, würde Er es tun, Er, der der Sonne ähnlich ist, so würde alles, was wir um uns herum sehen, zerschmelzen; alles würde zu Staub und Asche werden oder gar in den gasförmigen Zustand zurückkehren. Darum sagt Gott: „Ich werde nicht hinuntergehen, sondern Meinen Geist durch den Raum schicken, damit Er den Menschen meinen Segen bringt!" Deswegen will Gott nicht zu uns hinabsteigen, sondern schickt stattdessen Seinen Geist - das Licht. Der Heilige Geist besitzt schöpferische Fähigkeiten, und diese sind es, die in uns aufbauen. All das, was wir besitzen, verdanken wir Ihm. Diese vernünftige Kraft, in der sich Gott äußert, versuchen die gelehrten Menschen in der Form von Gesetzen, Kräften, Verwandschaft unter den Elementen usw. zu fassen - sie geben ihr verschiedene Namen. Aber es ist ein vernünftiges Wesen, das arbeitet; Der Geist ist es, Der die Gesetze erläßt.

Der Geist steht in direkter Verbindung mit unserer Seele. Gerade durch die Vorgänge, die sich in unserer seelischen Welt abspielen, bekommen wir einen Begriff von Seinem Ursprung. Ohne Seele hätten wir keine Vorstellung vom Heiligen Geist. Die Seele mit ihrer Denkweise stellt in uns die göttliche Welt dar. Wenn es in uns etwas Göttliches gibt, dann ist es diese leuchtende Seele, die denkt. Wir sollten sie meinen, wenn wir vom Menschen sprechen. Trennt die vernünftige Seele vom Menschen ab, und es bleibt nichts mehr zurück, als ein vierbeiniges Tier; er würde sich in nichts von ihm unterscheiden: Er würde essen, schlafen und auch sonst alle Bedürfnisse und Schwächen eines Tieres haben. Der Geist offenbart sich in der Seele des Menschen. Deswegen geht der Mensch im Unterschied zu den anderen Lebewesen aufrecht. Warum die anderen Lebewesen nicht aufrecht gehen? Weil sie mit Gott im Widerspruch stehen. Der Umstand, daß sie auf vier Füßen gehen, zeigt, daß ihr Wille mit der Erscheinung Gottes im Gegensatz steht. Vielleicht werden noch tausend Jahre vergehen, bis sie die Stufe des jetzigen Menschen erreicht haben, bis sie sich erheben und aufrichten. Wir haben uns verhältnismäßig weit erhoben und streben danach, uns noch weiter zu erheben, weil wir uns Gott nähern und mit Ihm in Übereinstimmung sein wollen: Es besteht ein Wunsch in uns, den göttlichen Weg zu gehen. Wenn wir Irrtümer begehen, begehen wir sie nicht des Bösen wegen, sondern aus anderen Gründen, die in unserer Vergangenheit liegen.

Man sagt nun, daß Der Heilige Geist jedem zum Nutzen angeboten wird; aber worin besteht dieser Nutzen? Das Wort "Nutzen" selbst hat einen Inhalt: Weil wir alle zum Nutzen arbeiten. Der Arbeiter pflegt zwar den Weinberg, aber er erwartet auch, daß man ihm einen Tageslohn von 2-3 Lewa ausbezahlt; die Frau tut einiges für ihren Mann, aber sie erwartet von ihm auch etwas zu Ostern, zu Weihnachten, zu den großen Festen, für den Sommer. Jeder arbeitet immer nur für den Nutzen. Einige denken, daß das Leben ideal sei; was verstehen sie unter einem idealen Leben? Ich verstehe ideales Leben auf diese Weise: Harmonie und Eintracht in allen Beziehungen! Einige wollen im Himmel leben, aber wo ist der Himmel? Unter dem Wort "Himmel" verstehe ich einen Zustand, in dem vollständige Ordnung herrscht, und in dem die Menschen ihre Pflichten untereinander erfüllen. Jemand will sich weiterentwickeln, aber du bist ihm hinderlich, du hältst ihn auf, ihm deine Gesetze aufzwängend, anstatt zu erkennen, daß du Pflichten ihm gegenüber hast. Das Kapitel des Evangeliums, das ich euch vorlas, zeigt, wie unsere Beziehungen aussehen sollen. „Zum Teil steht aber auch etwas Widersprüchliches darin!", werdet ihr vielleich einwenden. Ein russisches Sprichtwort besagt schließlich: „In der Unordnung gibt es auch Ordnung". In der Ungehörigkeit gibt es auch Gehörigkeit, kann ich darauf nur antworten.

Ich werde ein Gleichnis anführen, damit ihr versteht, woher die falschen Vorstellungen von den Dingen kommen: Ich gebe z.B. einem Menschen eine Nuß und sage ihm, daß er eine Untersuchung über sie anstellen soll. Er wird eine Untersuchung über ihren Geschmack durchführen, indem er ihre äußere, grüne Schale probiert; er wird die Nuß anbeißen und wegwerfen. Ich gebe einer anderen Person eine Nuß. Dieser Mensch, der schon verständig genug ist, sie vorher zu schälen, entfernt ihre grüne Schale, aber beißt sich an der zweiten Hülle die Zähne aus und wirft die Nuß weg. Ich gebe die Nuß einer dritten Person; sie aber, noch verständiger, schält sie, schlägt mit einem Stein die harte Schale auf, nimmt den Kern heraus und ißt ihn. Wenn wir diese drei Menschen versammeln und ihnen die Frage stellen, was eine Nuß ist, wird der erste sagen, sie sei eine herbe, scharfe und höchstwahrscheinlich auch giftige Frucht; der zweite, sie sei eine harte Frucht, die schlecht für die Zähne ist; der dritte, sie sei etwas Wohlschmeckendes und Gutes. Dieses Gleichnis paßt auf unsere Irrtümer: Alle Dinge dieser Welt haben ihre Schalen, und wenn wir nicht genug Kenntnisse besitzen, werden wir ihr Wesen nie ergründen. Der menschliche Körper braucht Nahrung, aber auch die Vernunft und die Seele brauchen eine Nahrung; das heißt, wir müssen uns zweifach ernähren. Wenn wir sagen, daß es für den Menschen nicht gut ist, sich der Völlerei hinzugeben, sollte dies für Körper, Verstand und Seele in gleicher Weise gelten. Es ist ein aus drei Komponeneten bestehender Kreis, der den Menschen ausmacht. All diese drei Menschen, die sich über die Nuß geäußert haben, sind nicht klug genug. Jener, der die Nuß gegessen hat, glaubt, er sei der klügste. Nein! Ich gebe die Nuß einem Vierten, er nimmt sie, aber anstatt sie zu essen, pflanzt er sie ein, und 10 oder 15 Jahre später bringt diese Nuß viele Tausend Nüsse hervor. Folglich gibt es in der Welt vier Menschentypen, die ihre Weisheiten zum besten geben. Der erste sagt: „Die Welt ist schlecht, abstoßend, es lohnt sich nicht, zu leben!"; der andere sagt: „In der Welt herrscht die Selbstsucht, schlimmer kann es nicht sein!"; der dritte sagt: „Die Welt ist schön und angenehm!" - Er ist näher an der Wahrheit. Und wer ist der vierte? - Jener, der in die göttliche Schule eingetreten ist und angefangen hat zu lernen, daß man die guten Dinge einpflanzt. Die genaueste Vorstellung des Menschen von der Erde ist, die Erde als eine göttliche Schule zu betrachten, in die er geschickt wurde, um zu lernen, die äußere und die innere Nußschale zu entfernen, und die Nuß nicht zu essen, sondern diese einzupflanzen. Die Eigenarten aller Dingen erkennend, wird er den wahren Sinn des irdischen Lebens finden: Einem Herrn gleich, der seine Knechte zum Weinberg schickt, damit sie arbeiten, und ihnen Brot und das notwendige Werkzeug mitgibt, hat auch Gott dem Menschen das Gehirn als ein Werkzeug mitgegeben. Warum hat Er es ihm gegeben? Um Steine zu brechen und bittere Nußschalen zu essen? Nein, vielmehr mit der Absicht, dem Menschen beizubringen, die Nuß zu pflanzen. Jemand würde sagen: „Wird es mir besser gehen, wenn ich nur Nüsse pflanze? Ich glaube kaum!" Unter dem Wort "Nuß" müssen wir die guten Gedanken, Wünsche und Taten verstehen, die wir in die anderen einpflanzen können. Diese Arbeit wird euch Wohlstand bringen. Wenn ihr bei der Erfüllung einer eurer Wünsche auf Widerstand stoßt, verliert nicht den Mut und gebt den Wunsch nicht auf: Denn Gott hat einem Gedanken drei, vier Kleider angezogen - mag sein, daß eins euch nicht paßt, das andere wird es aber bestimmt tun. Zieht das unpassende Kleid aus, pflanzt euren Gedanken in einen guten Boden und er wird mit Sicherheit eine gute Frucht hervorbringen. So verstehe ich die Welt. Das Übel ist nur scheinbar; es ist die äußere Schale der Dinge. Die Menschen sind auch nur angeblich böse. Ich sage nicht, daß es keine bösen Menschen gibt, aber ihrem innersten Wesen nach sind sie dennoch nicht böse, weil es unmöglich ist, daß Gott Böses hervorbringt. Das Böse entsteht aus gewissen Beziehungen und Auffassungen, die wir in und von der Welt haben. Zwei Familien wohnen in einem Haus mit vier Zimmern; die eine Familie hat mehr Kinder, die andere - weniger, sie fangen an, sich darüber zu streiten, wer wieviel Zimmer benutzen darf, und auf einmal haben sie sich miteinander verfeindet. Ich frage: Warum dieser Streit um Zimmer? Das ist doch eine so unbedeutende Angelegenheit. Die eine Familie fängt an, über die andere Familie zu sprechen: „Sie sind unvernünftige Menschen!", und die andere tut das gleiche. Doch in Wirklichkeit sind sie beide unvernünftig, weil ein vernünftiger Mensch niemals streitet. Das Wort "streiten" (auf bulgarisch: "kára") hat eine sanskritische Wurzel: "Kara" bedeutet, in der Dunkelheit zu sein. Menschen, die Augenlicht besitzen, streiten nicht. Eine gewisse Erscheinung in unserem Gehirn trübt unsere Gedanken, wodurch schlechte Wünsche aufkommen. Haben wir klare Gedanken, sind wir bereit, in Frieden und Eintracht zu leben; sobald aber eine Trübung aufkommt, treibt es uns dazu, unsere Beziehung zur Umwelt zu verändern. Das Böse also entsteht aus einer Verdunklung der menschlichen Vernunft. Weil Gott nun weiß, daß auf der Erde eine gewisse Dunkelheit existiert, die einem Schaden zufügt - und Finsternis fügt immer Schaden zu: Wenn wir ununterbrochen in der Finsternis lebten, würden sich all unsere Sinne, Augen, Ohren usw. zurückbilden wie bei gewissen Fischen, die unterseeische Höhlen bewohnen und dadurch ihre Sehkraft eingebüßt haben, so hat Er Den Heiligen Geist geschickt, damit Er in uns, in unseren Gedanken und Gefühlen, in unseren Körpern wirken kann, damit wir die Dinge verstehen und uns eine rechte Vorstellung von ihnen machen.

Zu allererst müssen wir uns eine rechte Vorstellung von uns selbst machen, das heißt, von unserem Verhältnis zu Gott. Meiner Meinung nach ist die Erde nur eine Schule für die jeweilige menschliche Seele. Wenn es in der Welt etwas Wirkliches gibt, dann ist es sie. Manche Leute fragen sich: „Was bin ich?" - Ich bin das, das denkt, das fühlt und wünscht. Und jeder Gedanke, jedes Gefühl und jeder Wunsch hat seine Form. Wenn ihr ein Werkzeug machen wolltet, um damit Menschen umzubringen, wie würdet ihr es aussehen lassen? Ihr überlegt euch, wie es sein soll: Scharf soll es sein, um zu vernichten! Wenn ihr ein Spielzeug für die Kinder macht, wird es spitz und scharf sein? Nein! Ihr rundet und glättet es ab, damit sich die Kinder nicht daran verletzen, denn alle scharfen Dinge fügen Schaden zu. Man sagt von manchen Menschen, sie hätten einen scharfen Verstand; ja, um Krieg zu führen, muß man einen messerscharfen Verstand und Sprengkräfte in sich haben, damit sie zerfetzen können, was sie treffen. Wenn man aber in einer friedlichen Gesellschaft lebt, was für einen Wert und was für einen Nutzen hat ein solch scharfer Verstand? Wenn ihr aber bei einem Krieg einen stumpfsinnigen Menschen an die Spitze stellt, so wäre er fehl am Platz. Wir haben die Ordnung der Dinge durcheinandergebracht: Wir haben die stumpfen Dinge unter die scharfen gebracht und umgekehrt. Ich sage nicht, daß man auf Erden keinen Krieg führen muß; in der Natur beruht der Krieg auf zwei Prinzipien: auf einem zerstörenden und auf einem aufbauenden. Aber bei den beiden gibt es Erschöpfung. Wir erschöpfen uns nicht nur, wenn wir lieben, sondern auch, wenn wir hassen, weil jener, der haßt, Steine bricht, und wenn sich unser Leben im Brechen der Tausende von Steinen erschöpft, was für einen Sinn hat es dann noch für uns? Wenn wir ständig Böses denken, brechen wir ständig Steine. Dem Herrn ist, nebenbei bemerkt, auch diese Tätigkeit recht: Er wird das Produkt unserer Arbeit dazu gebrauchen, glatte Wege zu bauen, und die Leute werden uns indirekt dankbar dafür sein, daß wir die für den Weg nötigen Steine gebrochen haben. Was wir in der Welt auch tun, unsere Arbeit ist in jedem Fall von Nutzen, wenn nicht für uns, so doch zum Nutzen anderer. Im ersten Fall, d. h., wenn wir lieben, tun wir eine bewußte Arbeit, in dem zweiten Fall tun wir eine unbewußte Arbeit und folglich kann der Lohn nicht derselbe sein.


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