
Die Talente„Und einem gab er fünf Talente, dem anderen zwei, dem dritten eins, einem jeden nach seiner Tüchtigkeit, und zog hinweg." (Math. 25 : 15) Ich werde mit euch über Vers 15, Kapitel 25 des Matthäusevangeliums sprechen. Es besteht kein Zweifel, daß ihr dieses Kapitel oftmals gelesen und euch mit den Talenten beschäftigt habt; vielleicht habt ihr auch gewisse Schlüsse gezogen, von denen einige näher an der Wahrheit lagen, und andere - ferner. Ich werde diesen Vers in seinem gewöhnlichen Sinne nehmen. Wenn Jesus einen Satz sagte oder eine Parabel erzählte, hatte Er stets den grundlegenden göttlichen Gedanken, das göttliche Gesetz vor Augen, d.h. Er sprach nicht um des Sprechens willen, sondern sagte mit allem gewisse Wahrheiten aus. Nun können wir uns die Frage stellen: Warum wurden dem einen fünf Talente, dem anderen zwei und dem letzten eins gegeben? Ist dies Zufall oder Absicht? In der Natur ist alles, was Gott geschaffen hat, nicht zufällig - kein Ding ist zufällig. Wir sagen über viele Dinge, daß sie "zufällig" geschehen sind, wenn wir sie uns nicht erklären können. Wir treffen einen Menschen und glauben, daß wir ihn zufällig treffen. Eines der Lebensgesetze besagt, daß unser Zusammentreffen durch gewisse vorhergehende Ursachen bestimmt wird, die zu ihm führten. Dieses Gesetz nicht kennend, sagen wir, daß wir uns zufällig, ohne jeglichen Grund, treffen; dem ist es aber nicht so. Was sollen wir uns unter fünf, zwei und einem Talent vorstellen? Es gibt drei Menschentypen: Der erste, der den fünf Talenten, der zweite, der den zwei Talenten und der dritte, der dem einen Talent entspricht. Welche sind aber die Menschen, die nur ein Talent besitzen? Sie sind jene, die nur für sich selbst leben: „Laßt uns dreimal täglich essen, laßt uns trinken, zu Bett gehen, damit unser Leib gut gemästet wird und laßt uns gut anziehen - dazu sind wir schließlich auf die Welt gekommen!" Sie sind selbstsüchtige Menschen, unfruchtbar und samenlos - die Menschen mit dem einen Talent. Welche sind die mit den zweien? Der Mensch, der sich verheiratet hat, ist das eine Talent und seine Frau ist das andere. Beide tun sich zusammen und gewinnen noch zwei Talente - die Kinder, die ihnen geboren werden; sie werden nun vier und sagen: „Herr, wir haben die beiden Talente genutzt; wir haben Kinder großgezogen und noch zwei Talente hinzugewonnen". Das im ersten Sinne. In dem anderen Sinne sind sie Menschen, die für ihr Haus, für die Gesellschaft, für das Volk leben. Die mit den fünf Talenten besitzen aber noch etwas anderes: Die fünf Talente entsprechen unseren fünf Sinnen, also sind sie Menschen, bei denen alle fünf Sinne - das Sehen, das Hören, das Riechen, das Schmecken und das Fühlen - an ihrem Platz sind. Sie sind Menschen mit rechten Urteilen und Schlußfolgerungen über alles, was Gott geschaffen hat: Sie verstehen die Natur, verstehen die Dinge, verstehen die Ursachen und ihre Wirkungen; sie sind Lehrer der Welt, sie leben für die ganze Menschheit. Laßt uns nun eine kleine Rechnung mit den gegebenen Talenten machen: 1 + 2 + 5 = 8 Talente. Ist die Zahl 8 willkürlich? Nein! Sie ist die Zahl der Arbeit. Die Heilige Schrift sagt, daß Der Herr die Welt in sechs Tagen geschaffen hat; am siebenten ruhte Er sich aus. Nach jeder Ruhepause kommt ein neuer Arbeitstag. Wir sind am achten Tag. Der Herr sagte zu den Menschen: „Ich habe die Welt geschaffen, nun fängt euer Tag an, arbeitet, und eines Tages werde ich kommen, um eure Arbeit zu begutachten". Wir leben im achten Tag und weil wir nicht wissen, wie wir arbeiten sollen, begehen wir Irrtümer. Aber Der Herr sagt: „Ihr sollt arbeiten, fortschreiten, und Irrtümer werden natürlich nicht ausbleiben!" Welcher Lehrer rechnet nicht damit, daß seine Schüler in ihren Büchern rumreißen und die Schule beschmutzen? Bei welcher Frau, die im Haushalt arbeitet, fällt kein Schmutz an? Welcher Färber verschmiert nichts, während er färbt? Welcher arbeitende Mensch wird verhindern können, daß sich seine Kleidung beschmutzt und anreißt? Auf dem Weg unserer Entwicklung dürfen wir nicht das Unmögliche wollen, sondern ständig auf eine Veränderung und eine Abtragung warten. Ihr habt Angst vor dem Tod. Was ist der Tod? Der Tod ist ein Abtragen, ein Zerreißen unseres Kleides. So ist das Gesetz. Der Körper verändert sich allmählich. Die Heilige Schrift sagt: „Gott schuf den Menschen nach Seinem Ebenbild"; ja, so ist der göttliche Plan; aber, weil Er uns arbeiten, uns Verstand, Herz und Charakter bilden, uns entwickeln gelassen hat, bedeutet die Tatsache, daß wir bei der Erfüllung dieses Planes ein bißchen schmutzen werden, nichts. Wenn ein Haus errichtet werden soll, liegen auf dem Bauplatz viele Sachen herum: verstreute Steine, Ziegel, Sand usw.; wenn aber das Haus fertig ist, reinigt man alles und die Leute kommen, um im Haus zu wohnen. Folglich befinden wir uns jetzt in der Periode des achten Tages und wir bauen. Wir bauen an diesem Haus mit den drei Menschentypen, von denen der eine - ein Talent, der andere - zwei Talente, und der dritte - fünf Talente hat. Laßt uns nun die Talente von jenem zusammenzählen, der mit den gegebenen fünf noch fünf hinzugewonnen hat - das macht zehn, mit den beiden Kindern - vier, es ergibt also insgesamt vierzehn, und mit dem einen, das in der Erde vergraben war - fünfzehn. Gut, wieviel sind die gewonnenen Talente, wenn wir die acht Gegebenen abziehen? Was bedeutet die Zahl Sieben? Wie gesagt, das bedeutet Ruhe! Nun haben wir das Gesetz und den Gedanken, den Christus drinnen verborgen hat. Diesen Gedanken begreift nur dieser, der die Schrift kennt, den Gedanken nämlich, daß der, der sich ausruhen will, vorher gearbeitet haben muß, und daß sich jener, der nicht gearbeitet hat, nicht ausruhen darf, weil Der Herr sich am siebenten Tag ausruhte, nachdem Er sechs Tage gearbeitet hatte. Wir fragen oft: „Wann werde ich mich ausruhen?"; du hast noch nicht angefangen zu arbeiten, was für eine Ruhe suchst du denn? Kaum hast du die Hacke auf die Schultern genommen, willst du schon wieder Ruhe! Nachdem du den ganzen Weingarten umgegraben hast, erst dann sollst du dich danach sehnen und die Ruhepause wird kommen. Wir müssen das grundlegende göttliche Gesetz begreifen, daß Ausruhen ein Ergebnis von Arbeit ist. Nur jene können Lust und Freude empfinden, die vorher gearbeitet haben. Christus sagt in diesem Zusammenhang: „Diejenigen, die gearbeitet haben, werden zur Freude Des Herrn eingehen; alle Güter, die Ich habe, werden auch sie haben!" Und was hat Er zu dem gesagt, der nicht gearbeitet hatte, sondern sein Talent in der Erde verbuddelte? „Darum nehmt ihm das Talent und gebt es dem, der fünf Talente hat, und den unnützen Knecht werft in die Finsternis hinaus, damit er dort arbeiten lernt!" Was für eine Finsternis meint er damit? Es sind die Würmer, die unter der Erde arbeiten. Wenn ihr nicht arbeiten lernt, wird Der Herr euch in Würmer verwandeln und in der unterirdischen Finsternis auf Arbeit festlegen, damit ihr lernt zu arbeiten. All jene, die über das göttliche Gesetz rumphilosophieren wollen, werden sehen, ob diese Worte richtig sind oder nicht. Ich spreche an diesem Morgen über das grundlegende Gesetz: Wir sollen arbeiten. Nur wenn wir für Gott arbeiten, ist es Arbeit; wenn wir für uns selbst arbeiten, ist es nichts mehr als ein Geschäft. Arbeit bedeutet auch Wissen; jener, der fünf Talente empfangen hat, hat fünf Sinne - ihm hat Der Herr alle Fähigkeiten und notwendigen Kenntnisse gegeben. Auch jener, der zwei Talente hat, besitzt seinen Kenntnissen entsprechende Fähigkeiten. Ich werde noch ein Gleichnis anführen. Dieser mit dem einen Talent, ist ein Mensch, der einem Mineral ähnelt, das sich, wie man weiß, nicht vermehren kann - es bleibt immer allein. In ihm kann das Sonnenlicht sich zwar sehr gut brechen, aber ein vernünftiges Wesen kann es nicht sein. Wenn euer Herz hart wie ein Mineral ist, seid ihr ein Mensch, der nur ein Talent hat; und darin liegt die Gefahr, denn Die Schrift sagt: „Und Ich werde euch euer Herz, hart wie ein Stein, entziehen!" Dieses Talent muß verwandelt werden und anfangen, Früchte zu tragen und sich zu entwickeln. Die beiden Talente sind dann verständig - es ist das Weizenkorn, das Pflanzenleben, das etwas höher als die Mineralien steht, und das sich vermehrt und dazugewinnt. Was können uns die hübschen Mineralien fürs Leben geben? Wir alle würden sterben, wenn unser Leben von ihnen abhinge. Dank dem Weizenkorn, das zwei Talente trägt, dank der Arbeitsamkeit jener fünf Talente, der Fähigkeiten, die unser Verstand zu einem höheren geistigen Leben besitzt und uns zeigt, wie wir die Güter, die Gott uns gegeben hat, nutzen sollen, können wir von dem Unheil dieser Welt erlöst werden. Wir sollten uns die Frage stellen, was dies "einem jeden nach seiner Tüchtigkeit" bedeutet; es bedeutet, daß jeder von uns seine Stärke kennen soll. Oft sagen die Leute: „Ich will größere Begabungen, größere Fähigkeiten haben!" Gut. Aber wenn du diese Begabungen, die du hast, nicht anwenden kannst, wenn du nicht weißt, wie du diese ausschöpfen sollst, warum sollte man dir mehr geben? Jeder von uns hat so viele Begabungen, daß, wenn er diese voll ausschöpfen würde, genug hätte, um den Grundstein für fünf Talente zu legen. Fünf Talente haben aber nur Wenige. Ich glaube, daß die meisten von euch, die mir hier zuhören, zwei Talente haben; aber sogar das kann ich nicht mit Sicherheit behaupten. Wenn ihr jedoch diese zwei Talente in vier verwandelt, sieht die Lage schon anders aus. Und was bedeutet die Vier? Daß ihr den Weg zur Reinigung eures Lebens finden sollt. Ihr braucht Wasser, aber es ist trüb, ihr müßt eine Methode entwickeln, es zu filtern. Wenn ihr es mit dem Schlamm trinkt, wird euch davon schlecht. Also die Vier ist der göttliche Prozeß, durch den unsere Wünsche und Gedanken in dieser Welt geseiht werden. Jener, der zwei Talente hat, soll so lange arbeiten, bis er ein Seihtuch hat. Wißt ihr, wieviel es wert ist? Fragt einen Milchmann, geht zu einer Sennerei und fragt diese, die Käse machen, was in dem Seihtuch zurückbleibt. Reine Molke! Euer Seihtuch ist der kritische Verstand, den ihr im Leben auf jeden Fall haben solltet. Wenn die Leute von einem sagen, daß er ein Kritiker ist, sollt ihr darunter verstehen, daß er ein Seihtuch hat, in dem das Wertvolle zurückbleibt und das Unnütze abfließt. Es hängt davon ab, was ihr durchseiht; wenn ihr Käse durchseiht, bleibt er im Seihtuch; macht ihr das aber mit Wasser, fließt das reine, klare Wasser durch, und alles was zurückbleibt, ist der Bodensatz. Euer Seihtuch muß zwei wesentliche Eigenschaften besitzen, also zwei Talente: Wenn ihr das eine Talent anwendet, muß das Wertvolle im Seihtuch bleiben; wenn ihr das zweite Talent anwendet, muß das Wertvolle rausfließen. Ich werde ein anderes Gleichnis anführen. Das Seihtuch mit dem Käse - das ist euer Kornboden, das durch das Seihtuch geflossene Wasser - euer Weizen, der draußen auf dem Acker, im Leben, gesät ist. Das erste Talent soll man aus der Frucht nutzen, die Gott euch gegeben hat und das zweite sollt ihr säen, mit ihm arbeiten. Ihr habt in der Welt verschiedene Voraussetzungen; manches Mal gelingen euch eure Unternehmungen, ein anderes Mal nicht; dies darf euch in keinster Weise entmutigen, weil wer wenig Talente hat und mehr gewinnen will, viel arbeiten muß. So ist das Gesetz. Es ist besonders für den gefährlich, der ein Talent bekommen hat und nichts mit ihm anfängt. Die erste Bedingung, die von uns verlangt wird, ist zu wissen, wie wir arbeiten sollen. Ich habe euch bereits gesagt, daß ihr zwei Talente habt; ihr werdet fragen, welche diese sind. Euer Verstand und euer Herz - das sind die zwei Talente. Ihr werdet aber sagen: „Für was kann ich meinen Verstand einsetzen?" Jemand ist mit seinem kaputten Wagen auf dem Weg liegengeblieben, ihr kommt vorbei, besitzt die nötigen Kenntnisse und repariert seinen Wagen; der Eigentümer wird euch dankbar sein und euch irgendwann, wenn die Zeit kommt, helfen. So gewinnt auch ihr. Das zweite Talent - euer Herz: jemand ist krank; euer Herz sollte euch dazu veranlassen, ihn zu besuchen und ihm zu helfen. Die beiden Talente, das sind die Voraussetzungen unseres Lebens. Unter dem Wort "Herz" sollten wir die Wurzeln unseres Lebens verstehen, und unter dem Verstand - die Zweige und die Blätter, d.h. das Äußerliche. Ihr wißt, daß es in der Natur eine Beziehung zwischen Wurzeln und Zweigen gibt: jedem einzelnen Zweigchen oben entspricht eine kleine Wurzel unten, und wenn unten eine Wurzel vertrocknet, vertrocknet oben der entsprechende Zweig. Das Gesetz, das ihr beachten sollt, ist das folgende: Ihr sollt wissen, daß wenn in euch ein Wunsch vertrocknet, vertrocknet auch ein Gedanke in euch; wenn zwei eurer Wünsche vertrocknen, werden zwei euerer Gedanken vertrocknen, wenn drei Wünsche vertrocknen, werden ihnen auch drei Gedanken vertrocknen. Und eines Tages, wenn schließlich eure Gefühle völlig abgestumpft sind, werden alle Zweige vertrocknet sein, und ihr werdet euch in Menschen verwandeln, die nur ein Talent haben. |
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