
Das Gesetz des Dienens„Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren." (Joh. 12:26) Viele fragen sich, was sich hinter den Worten "wer mir dienen wird, den wird Mein Vater ehren" verbirgt. Die Welt hat verschiedene Reize: Der moderne Mensch strebt danach Wissen, Reichtum, Ländereien, Häuser, Ruhm, Berühmtheit, Kraft und vieles andere zu erlangen; sehr viele Dinge werden angestrebt. Jesus besteht aber nur auf eines: Auf das Dienen - der Mensch muß wissen, wie man dient. Diener - ein oft gebrauchtes Wort, wenn es darum geht, die niedrigste Stellung innerhalb der Gesellschaft zu bezeichnen. Es gibt verschiedene Diener - in den Kneipen, in den Restaurants, in den Küchen, in den Theatern, in den Universitäten, in den Ministerien.... An und für sich sind wir alle Diener, nur nicht alle wollen es sich eingestehen. So gibt es in der Welt zwei Arten von Dienern: Die einen, die sich ihrer Verpflichtungen bewußt sind und wissen, wie sie ihnen am besten nachkommen, und die anderen, die vom Dienen keine Ahnung haben. Die Letzteren nennen wir auch mittlere Führungsschicht, Vorgesetzte, die sich auf ihrem Posten breitmachen und erwarten, daß ihnen die Untergebenen dienen; sie lieben es, den anderen wohlfeile Ratschläge zu geben, wie man zu arbeiten und zu dienen hat. Jeder möchte sich in der ersten Kategorie befinden - Herr sein. Das Christentum aber vertritt eine völlig konträre Auffassung: Es vertritt das Prinzip, daß der, der Vorgesetzter sein will, dienen muß; es besagt, daß selbst der Sohn Gottes nicht auf die Erde kam, um bedient zu werden, sondern um zu dienen. Wir alle unterliegen dem Gesetz des Dienens. Mancher sagt: „Ich bin der Herr!"; nein, er belügt sich selbst, wenn er wirklich glaubt, er sei keinem Rechenschaft schuldig, er würde keinem dienen; denn zumindest dient er seinem Magen, der ihn tagtäglich dazu antreibt, zur Arbeit zu gehen, ob es ihm gefällt oder nicht. Er verlangt von ihm, daß er bei der Auswahl des Essens stets auf beste Qualität achtet, er besteht darauf, daß er die Nahrung, bevor er sie ihm zuführt, gründlich zerkaut, tut er es nicht, wird er mit Erbrechen bestraft: „Du mußt mir gut dienen, sonst kündige ich dir!" Einige denken, daß nur der Herr den Untergebenen kündigen kann, aber auch der Magen ist dazu in der Lage. Fragt nur die Ärtzte, was ein Magen macht, dem nicht richtig gedient wurde; damit ihr nur seht, wie er seinem Herrn kündigen kann. Dienen ist eine Tugend. Wieviel Leid wurde schon auf die Erde gezogen, einzig und allein deshalb, weil man es nicht versteht, richtig zu dienen. Wenn die Mutter lernt, wie man ein Kind erzieht, wenn der Lehrer lernt, wie er seinen Schülern Wissen vermittelt, wenn die Regierung lernt, wie sie dem Volk dient und Gesetze erläßt, die für seine Entwicklung wichtig sind, wird die Welt ein anderes Gesicht bekommen. Die moderne Zivilisation steht vor einer gewaltigen Prüfung: Millionen von Menschen bewerben sich darum, in den Armeen dienen zu dürfen - Gewehre zu tragen, Minen zu legen, im Gleichschritt zu marschieren, Granatwerfer zu bestücken; das ist nichts anderes als dienen. Was erwartet diese Diener? All diese Köpfe, Schenkel und Hände werden entbeint, verquirlt und in Kübeln in die Heimat zurücktransportiert. Das trägt dann auch noch das Etikett: "Zivilisation und Kultur"; die modernen Völker wollen uns sicher sagen: „Wozu ist überhaupt Der Herr gut? - Die Wissenschaft bringt uns weiter!" Was hat sie uns denn beigebracht? Hart zu sein, Revolver und Granaten herzustellen! Ja, die Wissenschaft hat uns zu dieser Prüfung bestellt, damit wir diesen gefährlichen Versuch machen, und auch der Himmel prüft uns und unser Verständnis vom Dienen. Die Welt verlagt nach Dienern, die ihr voll zur Verfügung stehen, und Der Herr erwartet auch das Seine. Christus sagt: „Wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren!" Wir sind ständig damit beschäftigt, unsere Sachen zu ordnen, aber sie wollen sich keiner Ordnung einfügen. Wir erkranken, rufen den Arzt, damit er uns heilt, doch trotz allem holt uns der Tod ab. Wir bauen uns eine Villa, richten sie mit dem Feinsten vom Feinsten ein, stellen Wachleute ein, damit keiner unsere Reichtümer klaut und einige Wochen später brennt das Haus ab. Christus sagt: „Soviele tausend Jahre habt ihr diesem euren Prinzip gedient, und seht, wieviel dieser Untergrund trägt; wenn ihr hingegen Mir dient, werdet ihr den Sinn in eurem Leben sehen!" Wir müssen dienen, weil selbst Christus nicht bedient werden wollte, sondern diente. Die Menschen müssen Diener der Schwächeren und der Schutzlosen werden. Wir dürfen nicht zulassen, daß schlechte Leute die Welt bedienen. Wißt ihr, warum die moderne Gesellschaft verdorben ist? Die Mütter, die die Kinder alleine erziehen müssen, vertrauen ihre Kinder unfähigen Dienerinnen an, und sie selbst gehen ins Theater, auf Bällen, in Cafes und anderen Vergnügen nach. Was können diese sittenlosen und unfähigen Dienerinnen ihnen schon beibringen? Doch wohl nur das, was sie selbst wissen! Dienerinnen erziehen die jetzigen Kinder - nicht nur in Bulgarien, sondern auch in Frankreich, Deutschland, Amerika - kurzum überall. Nicht alle Dienerinnen sind sittenlos, aber der größte Teil ist es eben, und das ist in erster Linie die Schuld ihrer Dienstherren. Wenn die Mütter im wahrsten Sinne des Wortes Dienerinnen ihrer Kinder wären, die sie auf dem Weg des Aufwachsens und der Erziehung begleiten, sähen einige Dinge anders aus. - Das gleiche gilt für den Vater, der nicht einmal bereit ist, seine Söhne zu erziehen. Wenn Vater und Mutter drangehen, ihre Verpflichtungen zu vernachlässigen und sie auf ungebildete Dienerinnen abzuwälzen, die keine Ahnung davon haben, was das Leben eigentlich ist, kann das Resultat nur verheerend sein. Eine Dienerin kann allein schon aus dem Grund kein Kind erziehen, weil sie es nicht geboren hat und keine Liebe zu ihm empfindet. Sie sagt sich: „Was soll ich die Kinder hüten, während es sich Madame gerade im Cafe gemütlich macht?!" Ich werde euch erklären, was einen guten Diener ausmacht, was für Eigenschaften man von ihm verlangt. Vor allen Dingen muß er ein edles Herz haben, empfindsam sein, aufgeschlossen, Demut muß er besitzen und formbar sein, arbeitsam und nicht faul. Das Leben ist anspruchsvoll und wir müssen ihm dienen, wie es sich gehört. Wenn ein Schneider bei einer Auftragsarbeit Fehler macht und es nicht schafft, es so zu machen, wie es sein sollte, gibt man sie ihm zurück, worauf er für den Stoff und anderen entstandenen Schaden aufkommen muß. Mit der Natur verhält es sich genauso: Sie gibt uns einen Stoff und trägt uns auf: „Schneidet und vernäht ihn zu dem Kleid!" - und wenn wir uns bei dieser Arbeit blamieren, fordert sie Schadensersatz. Wenn wir lernen wollen, wie man dient, müssen wir uns an Christus wenden, damit Er es uns beibringt. Ein Diener muß sehr klug sein, denn dumme Menschen können keine Aufgabe richtig erfüllen. Die Lehrer, die Geistlichen - auch sie sind Diener. Wenn ein Lehrer vorgibt, sein Handwerk zu verstehen, muß er die Seelen der Kinder kennen, um imstande zu sein, ein Kind zum Wissen zu führen. Der Geistliche muß die Seelen seiner Gemeinde kennen, um ihren Herzen die passende Nahrung geben zu können. Wir müssen über noch einen anderen Wesenszug verfügen - über eine große Geduld. Viele Menschen nennen geduldige Menschen "Ochsen"; „Er ist," sagen sie „ein Ochse!" Geduldig zu sein, bedeutet nicht, ein Ochse zu sein; die Geduld ist eine vernünftige Handlung, die es uns erleichtert, die äußere Unbill des Lebens zu ertragen. Es muß immer ein inneres Gleichgewicht zwischen Seele, Herz und Verstand bestehen. Da war zum Beispiel vor einigen Jahrhunderten ein Mathematiker, der seit zwanzig Jahren an einer Berechnung arbeitete. Doch in seiner Kammer herrschte schreckliche Unordnung, überall lagen Bücher, Blätter und einzelne Zettel herum. Er schloß immer seine Räumlichkeiten ab, doch eines Tages vergaß er es und sein Zimmermädchen ging hinein, und als sie das ganze Durcheinander sah, beschloß sie, aufzuräumen; sie sammelte die ganzen Blätter und Zettelchen auf und warf sie in den Ofen, wo sie verbrannten. Sie räumte das Zimmer sehr gründlich auf, reinigte es und brachte es auf Hochglanz. Irgendwann kam der Herr des Hauses zurück und fragte: „Wo sind die Papiere, die auf dem Boden herumlagen?" - „Ich habe sie in den Ofen geworfen. Seht nur, wie schön das Zimmer jetzt aussieht!" - „Das nächste Mal bitte nicht!" - das war seine Antwort. Wir dienen wie dieses Zimmermädchen: Wir sammeln die Zettelchen auf, das taugt nichts, jenes taugt nichts - ab damit in den Ofen. Dieser gelehrte Mensch, dessen zwanzigjährige Arbeit zu Asche wurde, hat nicht so gehandelt, wie wir es tun würden, sondern er legte eine beispielhafte Geduld an den Tag; er sagte nur: „Das nächste Mal, bitte nicht!". Ihr befindet euch in genau derselben Situation - die Tür ist offen, das Zimmermädchen kommt rein, sammelt das Papier auf und eines schönen Tages findet ihr euer Werk verbrannt im Ofen wieder. Wenn ihr euer Haus nach Art des Zimmermädchens aufgeräumt vorfindet, was sagt ihr dann? Ich bin mir sicher, daß Tränen fließen werden - „Mein Herr, bin ich etwa der größte Sünder auf dieser Erde?! Warum hast Du es gerade auf mich abgesehen?! Wieso...?" Wir sind Leute, die von sich glauben, das göttliche Gesetz voll und ganz zu verstehen. Wir müssen dasselbe wie dieser Philosoph sagen: „Das nächste Mal bitte nicht!" und uns für die Zukunft vornehmen, das Zimmer in Ordnung zu halten und immer abzuschließen, um es den gut gemeinten Absichten des Zimmermädchens zu entziehen. Jetzt sagt Christus: „Wer Mir folgt, den wird Mein Vater belohnen!" Stets denkt man nur an diese Welt, an diese Phase des Übergangs, man bringt ständig die hiesigen, familiären Angelegenheiten in Ordnung, aber gleichzeitig versinken die anderen, die wichtigeren Dinge im Durcheinander - euer Verhältnis zum Herrn, Der euch eines Tages zur Rechenschaft ziehen wird. Dieser Tag kommt unausweichlich. Wißt ihr, was nach einigen Jahren sein wird? Wißt ihr, wie sich diese Zeit auf Europa auswirken wird? Wie wird später die Lage sein? Wir wissen es nicht genau. Die Menschen, die der Zivilisation entspringen, müssen die Prinzipien Christi anwenden, um zu lernen, wie man dient und jene, die sich nicht darum scheren, werden auf einmal im Abseits stehen. Die Theorie Darwins besagt, das nur die fähigen und gesunden überleben. Es versteht sich von selbst, daß bei einer geistigen Entwicklung nur die gemeint sind, die geistig und moralisch gesund sind. Denkt im übrigen nicht, daß sich Gesundheit in einem vollen und runden Gesicht und einem ebensolchen Körperbau ausdrückt - daß die Menschen einen noch dickeren Hals haben, einen noch größeren Bauch, eine noch fülligere Erscheinung abgeben und noch mehr essen müssen. Wenn das ganze Leben nur aus Essen und Trinken bestünde, wäre es nicht mehr und nicht weniger als ein krankhafter Zustand. Ich bin nicht dem guten Essen abgeneigt, aber viele denken, es sei sinnstiftend. In der Tat geht ein Drittel unseres Lebens dafür drauf, denn wir dienen ihm von morgens bis abends: Nach dem Aufstehen überlegen wir uns, was wir trinken sollen, ob Tee oder Milch, wenn Milch, dann mit Kakao, oder deutsch, oder gar mit einem türkischen Kaffee. Kaum haben wir gefrühstückt, fangen wir uns zu überlegen an, was auf dem Mittagstisch stehen soll. Huhn oder Hammel, mit Tomaten oder Paprika, gewürfelt oder gehackt, so oder anders. Wir beenden das Mittagessen und fangen an, an das Abendessen zu denken; manchmal haben wir genug, manchmal aber auch nicht. Ständig variieren wir das Essen, so, daß das Kochen zu einer Wissenschaft geworden ist, die eigens erlernt werden muß. Es ist schön, aber kein Ziel im Leben. Die Kraft der Mahlzeit, die unser Magen nutzen kann, hängt nicht davon ab, mit was für Finesse sie zubereitet wurde. Wir sollen nicht glauben, daß wenn wir ordentlich salzen, pfeffern und einen dicken Batzen Butter hinzugeben, die Mahlzeit gesünder wird - wir tun es nur für den Gaumen, für den Mund. Wenn wir wissen wollen, ob eine Mahlzeit gut war, müssen wir nach einer halben Stunde unseren Magen fragen, was er dazu meint: Läßt er uns ein leichtes Völlegefühl verspüren, einen leichten Druck, gepaart mit ein bißchen Unwohlsein, sagt er uns: „Dieses Essen ist für die Gesundheit nicht gerade förderlich, ich kann euch die gewünschten Säfte leider nicht geben." Am nächsten Tag sagen wir uns: „Gebe ich ihm diesmal ruhig etwas mehr, schließlich braucht er Kraft für seine Arbeit!"; man sagt sich das solange, bis die Ärzte eine Vergrößerung des Magens diagnostizieren. Die modernen Menschen leben nur für den Magen, weshalb ihre Anstrengungen nur von Gedanken und Gefühlen an das Essen erfüllt sind. Der Lehrer unterrichtet in der Schule und macht sich Gedanken darüber, wie hoch sein Lohn sein wird - 300 Lewa oder 400 Lewa, und wieviel er folglich für Essen und Sonstiges ausgeben kann. Alle Fragen kreisen nur um das Essen, und anschließend fragen wir uns, warum wir uns nicht als Lehrer und Geistliche erheben können. Wir sind darauf aus, unseren Körper in einem möglichst gesunden Zustand zu halten - was für ein Essen man ihm am besten gibt, was für eine Behausung man ihm errichtet; wir arbeiten an dem äußeren Erscheinungsbild, aber keinen scheint es zu interessieren, wie es auf der Innenseite des menschlichen Lebens aussieht. Genauso wie unsere Wohnung gut aufgeräumt sein muß, muß auch in unserem Verstand Ordnung herrschen. Genauso wie unser Körper ein Recht darauf hat, ein hygienisches Haus zu bewohnen, muß auch unser Herz hygienisch untergebracht werden. Ich halte denjenigen für nicht besonders klug, der zwar sein Haus in Ordnung hält, sein Herz aber im Wirrwarr versinken läßt. Wenn wir eine Entscheidung treffen, die mit Dienen verbunden ist, sind die Äußerlichkeiten ausschlaggebend, und nicht, wie es eigentlich sein sollte, zuerst das Herz und der Verstand, und der Körper zuletzt. Nur wenn wir unser Leben so angehen, werden wir Gottes Segen haben. |
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